2015 warf die Erkrankung an ME/CFS, das Chronische Fatigue-Syndrom, mich aus meinem bunten, vollen Leben einer berufstätigen Mutter. Ich musste meine Tätigkeit als Lehrerin aufgeben und Stück für Stück auch meine Leidenschaften: das Reiten, das Klarinettespielen. Drei Jahre lang wurde die Krankheit nicht richtig diagnostiziert. Ich wurde immer erschöpfter und konnte auch am Familienleben nur noch mit Einschränkung teilhaben. Ich fühlte mich abgeschnitten vom Leben.
Wie viele Patienten, bei denen ME/CFS nicht erkannt wird, wurde ich wegen einer Depression behandelt. In dieser Zeit kam ich mit Kunsttherapie in Berührung. Schon als Kind und Jugendliche habe ich gern gemalt und eine alte Leidenschaft flammte wieder auf. Dabei erfuhr ich an mir selbst, wie heilsam die intuitive Malerei wirken kann.
2018 erhielt ich endlich die richtige Diagnose und fand Hilfe im Gupta-Programm. Achtsamkeit, Meditation, Anteile-Arbeit nach dem IFS von Schwartz sind Kernaspekte dieses „Neuroplastizitäts-Retrainings“. Langsam, sehr langsam, über einen Zeitraum von 2 Jahren, kam mit diesem Selbsthilfe-Programm meine Kraft zurück. In dieser Zeit malte ich mein Bild vom Phönix, der aus seiner Asche steigt – mein „Wappentier“. Es hängt noch heute an meinem Arbeitsplatz und gibt mir Mut, dass wir, auch wenn alles zu Ende scheint, uns neu erfinden können. Denn auch wenn es nicht für die Rückkehr in den alten Beruf reichte: Ich konnte wieder am Leben teilhaben. Darüber war ich sehr dankbar, und in mir kam der Wunsch auf, die gute Hilfe, die ich erhalten hatte, auch an andere Menschen weitergeben zu können. So beschloss ich 2021, die Ausbildung zum Gupta-Programm-Coach zu machen und begleite seitdem andere Fatigue-Erkrankte, u. a. Post-Covid-Patienten.

Ich habe in dieser Zeit erlebt, wie viel Lebenskraft und Lebensfreude im Kreativsein steckt. Als Jugendliche hatte ich vor allem die schöne Natur abbilden wollen – nun hatte ich das intuitive, therapeutische Malen kennengelernt, bei dem man seinen inneren Bildern Ausdruck verleiht. Und ich wollte mehr: Ich verstand, dass mir das Leben auf wunderliche Weise mitten in meiner Lebenskrise ein Geschenk gemacht hatte: Ich hatte immer Kunst studieren wollen – und mich nie getraut. Nun bekam die Künstlerin in mir ihre Zeit: Ich nahm Unterricht, vor Ort und online, was mit meiner gesundheitlichen Einschränkung ein Segen war. Ich begann, den „Weg des Künstlers“ nach Julia Cameron zu gehen, der so viel mit Selbsterlaubnis zu tun hat. Heute hat das Malen einen festen Platz in meinem Alltag. Und auch hier war es mein Wunsch, anderen weiterzugeben, was ich erfahren hatte. Ich beschloss, eine Ausbildung zur Malbegleiterin zu machen. Heute begegne ich in meinen Workshops und in meiner Künstlergruppe vielen Menschen, die ebenfalls das Bedürfnis in sich tragen, sich malerisch auszudrücken. Durch dieses kreative Miteinander fühle ich mich stets sehr bereichert.
Ich schreibe diese Zeilen im Jahr 2025 und blicke zurück auf zehn bewegende Jahre. Auch wenn es nicht immer leicht war – es ist wundervoll, mich in meinen Tätigkeitsfeldern stetig neu zu erfinden und mit anderen Menschen in den Austausch zu gehen.
Ich blicke voraus auf Neues, Kreatives, Heilendes in 2026: Diesen Blog, mein erstes Buchprojekt und neue Menschen, die ihren Weg achtsam und kreativ mit mir beschreiten wollen.


